

Oh. Mein. Gott. Was habe ich mir nur angetan? Ich bin nicht für den Krieg geschaffen, auch nicht als Autorin. Jeden Tag habe ich Lust, die Brocken hinzuschmeißen - Falkenwinter macht mich fertig, und zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann ich mir nicht vorstellen, daß ich dieses Buch fertigstellen kann. Ich bin im fünften Kapitel, das ist das erste Kapitel, das ich für dieses Buch überhaupt im Kopf hatte und von dem ich annahm, es genau und durch und durch geplottet vor Augen zu haben. Es enthält den entscheidenden Wendepunkt in Varyns Leben, die Schlüsselszene schlechthin (und das im Wortsinn, aber wenn ich das jetzt erkläre, habe ich später einen Knalleffekt weniger), es ist so unglaublich wichtig, und von Anfang an war geplant, es aus Gavens Sicht zu schreiben, einer Perspektive, die immer funktioniert und die man einfach laufen zu lassen braucht - und es funktioniert nicht.
Meine Agentur hat seit ein paar Tagen ihr neues Editorial online und mich damit komplett begeistert. Diese Mischung aus feinem Humor, Ironie und Literaturkenntnis ergibt genau die Agentur, von der ich immer vertreten werden wollte - schließlich stelle auch ich mich in meiner Selbstdarstellung mit feindosierter Ironie dar… Und dann schwante mir Übles. Und ich rief meine Selbstdarstellung auf. Ich irrte mich nicht. Die Seite war seit Jahren unverändert. Laut diesem Text lebe ich im Münsterland - ich bin vor fast zwei Jahren von dort weggezogen - und arbeitslos - mein Vertrag in der Bibliothek wird jetzt schon zum zweiten Mal verlängert. Die Fotogalerie, die alle drei Jahre erweitert und um einem aktuellen Text aus dem jeweiligen Jahr ergänzt wird, war ebenfalls im Jahr 2005 stehengeblieben. Und dann fiel mir auch der Grund dafür ein. Ich hatte mich nämlich mit meinem eigenen Genie ausgetrickst.
Während ich jetzt schon die dritte Woche in Folge das Bett hüte, kann ich noch nicht einmal eine gefährliche Seuche oder zumindest die Lungenpest vorweisen, sondern nur eine hartnäckige Bronchitis, die ich mir - nach dem Motto »Ach, ich muß ja nur den halben Tag arbeiten, das packe ich schon« übel verschleppt habe. Es soll mir eine Lehre sein, meine Gesundheit ernst zu nehmen. So aber pflege ich mein Fieber mit Kamillentee und schlafe die Hälfte der Zeit. Zum Schreiben komme ich zwischendurch, ohne auch nur das Bett verlassen zu müssen, trotzdem hat es jetzt etwas länger gedauert, bis das vierte Kapitel fertiggeworden ist. Das nächste vierte Kapitel, heißt das. Das aus Falkenwinter.
Weblog powered by Serendipity 1.5.2
Designs zur Wahl: Düster ·
Schlicht ·
Negativ ·
Augenfreundlich
© 2000 - 2010 by Maja Ilisch. All Rights Reserved.