

Ich hab ihn ja herzlich gern, den Varyn. Er ist ein schmucker Bursche und kann als männliches Size-Zero-Model über den Laufsteg flanieren, aber er hat mehr zu bieten als nur ein gutes Aussehen und ein paar Pfund zu wenig auf den Rippen. Er ist ein ausgefeilter Charakter, auf den ich stolz bin, auch wenn er manchmal ein bisschen zu extrem geraten ist - muss er denn wirklich essgestört sein und an Wahnvorstellungen leiden und ein Alkoholproblem haben? Darüber lässt sich sicher streiten. Meine Sorge bei Varyn sind anderer Natur: Ich habe Angst, dass er einem anderen literarischen Charakter zu sehr ähneln könnte - und dieser andere Charakter stammt nicht von mir.
Es wird nicht einfacher, auch wenn man es aufschiebt. Die Umstrukturierung der Chroniken hat mich jetzt also eingeholt. Die ersten vier Bücher lasse ich erstmal so stehen, wie sie sind: Als vier Bücher, nicht als zwei. Aber das ändert nichts daran, dass Zornesbraut jetzt nicht mehr nur Alexanders Teil der Geschichte erzählt, sondern auch Varyns. Was Alexander angeht, so habe ich vier Kapitel und einen Prolog, aufgeteilt auf zwei Schauplätze. Als wäre das nicht schon verzwickt genug, muss ich jetzt so liebevoll, als würde ich einen Marmorkuchen anrühren, Varyns Geschichte druntermischen. Davon ist ein Kapitel fertig, ein zweites in Arbeit, und die sind nicht mit Eins, Zwei, Drei nummeriert, sondern mit A und B, damit ich in Ruhe überlegen kann, an welchen Stellen ich sie unterrühre.
Und so geschah es im November 2010, dass mir so die Lust auf meine Engel verging, dass ich noch nicht einmal mehr das finale Kapitel von Falkenwinter, wiewohl gut gelungen und fertig, auf die Webseite hochladen mochte. Warum, das kann ich heute nicht mehr sagen, ob mir kein Titel eingefallen war oder ich mir keine passende Zusammenfassung aus den Fingern saugen konnte, aber es blieb liegen, und liegen, und liegen. Jetzt, wo die Arbeiten wieder vorangehen, habe ich also endlich das vierte Buch abgeschlossen, und ehe ich mich ganz auf die Arbeit an Zornesbraut stürze, muss ich doch zuerst mit den Altlasten abschließen.
Manchmal ändern sich Dinge. Das kann gut sein oder schlecht, und man muss nicht alles mitmachen. Aber manchmal kommt es vor, dass man sich gegen Dinge stemmt, die nicht aufzuhalten sind. Dann kann man den Kopf in den Sand stecken und so tun, als wäre nichts passiert, und einfach so weitermachen wie bisher, während sich der Rest der Welt weiterdreht. Das habe ich getan, dreizehn Jahre lang - aber irgendwann kommt der Moment, da knicke auch ich ein. Ich will eine professionelle Schriftstellerin sein. Und gibt es etwas Unprofessionelleres als Rechtschreibfehler? Daher ist mein Entschluss gefallen. Der Widerstand war toll, aber Regeln sind Regeln: Und so wechsle jetzt auch ich zur Neuen Deutschen Rechtschreibung.
Das letzte Jahr hat mir eine Tour de Force beschert. Es ging auf und ab für die Elomaran - erst das Interesse mehrerer größerer Verlage, dann die Absagen dazu. Dann das Interesse eines kleineren Verlags, das soweit ging, dass der Verleger meinen Agenten schon nach einem Vertragsentwurf gefragt hat, und damit endete, dass der Verlag auf Tauchstation ging und keinerlei Mails, Anfragen oder sonstiges mehr beantwortet hat. Wir haben nie mehr davon gehört.
Weblog powered by Serendipity 1.5.4
© 2000 - 2011 by Maja Ilisch. All Rights Reserved.