

Ich muß mal die Annalen wälzen, um herauszufinden, wann ich zuletzt ein Kapitel mit dieser Geschwindigkeit geschrieben habe. Zwischen der ersten und der letzten von insgesamt 35 Seiten liegen ganze sechs Tage: Ein Triumph des T12, des von mir für den Tintenzirkel eingeführte Großkampfschreiben, bei dem ich mir das Ziel gesetzt habe, in diesem Jahr 400.000 Wörter zu schreiben, das sind geschätzt gut anderthalbtausend Seiten, und dabei Falkenwinter und Zornesbraut fertigzustellen. Zumindest was den Monat Januar angeht, habe ich mein Ziel erreicht, angefangen damit, daß endlich wieder Bewegung in die Chroniken gekommen ist. Und an Falkenwinter habe ich in diesem Jahr schon mehr geschrieben als im ganzen letzten. So soll es weitergehen.
Nein, ich habe das Erste Buch nicht in Zombieschatten umbenannt. Und aus den Engelsgeborenen werden auch keine Zombiegeborenen. Aber während Christoph Plants vs. Zombies spielt und der halbe Tintenzirkel für Zombies schwärmt, habe ich nun auch einen in den Elomaran-Chroniken. Ihr kennt ihn. Er heißt Varyn.
Nur drei Tage, nachdem ich verkündet habe, die Geschichte jetzt direkt am PC zu schreiben und nicht mehr per Hand in geheiligte Collegeblöcke, trägt der gute Vorsatz schon die ersten Früchte. Jeder der drei Tage war erfolgreich, und insgesamt sind so achtzehn Seiten zusammengekommen (wobei Seite in diesem Fall eine Normseite von dreißig Zeilen à 60 Anschlägen bedeutet und auch zukünftig nur noch in dieser Bedeutung verwendet werden soll), mit denen ich endlich das erste Kapitel von Falkenwinter fertiggeschrieben habe.
Ich habe lange mit mir gerungen. Wenn es nach mir ginge, müßten alle Dinge so bleiben, wie sie sind, und so ablaufen, wie sie es immer getan haben, zumindest in meinem Umfeld. Ich bin nicht autistisch, aber zumindest ritualfixiert. Mit Änderungen tue ich mich schwer, aber manchmal muß es einfach sein. Vor allem dann, wenn es so, wie es war, nicht mehr weitergeht.
Ich war schon mal in Frankfurt auf der Buchmesse, vor zehn Jahren, als ich als Buchhandelsauszubildende mit meiner Berufsschulklasse da war. Sie hat Eindruck auf mich gemacht, aber nicht den Besten - ich erinnere mich an wehe Füße, an tonnenweise Verlagsvorschauen, die ich ein Vierteljahr später ungelesen entsorgt habe, und an kein einziges Buch, das es geschafft hätte, mich aus der Masse heraus anzusprechen. Dementsprechend gering war eigentlich mein Interesse, da noch einmal hinzufahren. Zumindest, um mir Bücher anzusehen. Aber jetzt bin ich ja keine Buchhändlerin mehr, und als Bibliothekarin habe ich mit Dingen zu tun, die nichts mit der Buchmesse zu tun haben - aber ich bin eine Autorin, eine, die einen Agenten hat.
Wie ein braver Geek lese ich meine C’t und habe sie auch im Abonnement. Ich lese (und verstehe) nicht alles, schließlich bin ich Autodidakt und Quereinsteiger in elektronischen Dingen, aber etwas mehr als die Spielerezensionen lese ich normalerweise doch schon. Aber es war eine Spielvorstellung, die mich heute dazu gebracht hat, zu schäumen und in den Teppich zu beißen. Unter der Überschrift Flugscharen mit Schwertern geht es um das neue Onlinespiel Aion. Dieses Spiel interessiert mich schon seit ein paar Monaten, seit ich bei meiner Freundin Monica - die, anders als ich, Onlinespiele wie World of Warcraft oder Herr der Ringe Online spielt - eine Vorschau in einem Magazin gesehen habe. Schließlich geht es bei Aion um Engel. Und womit kann man mein Herz gewinnen? Klar, mit Engeln. Also habe ich mich auf die Besprechung gestürzt, mit dem Hintergedanken, daß die Welt der Onlinespiele mir vielleicht doch nicht für immer verschlossen bleiben sollte…… schließlich ließen sie die ganze Welt auseinanderbrechen. Einigen der Bewohner gelang es, sich zu retten. Sie flüchteten auf die Innenseiten der entstandenen Halbkugeln, die voneinander durch den “Abyss” getrennt werden […] Auf der unteren Halbkugel, die stets ins Sonnenlicht getaucht ist, leben die Elyos, die sich durch besondere Eleganz und Schönheit auszeichnen. Die obere Welthälfte, die das Sonnenlicht niemals sieht, ist die Heimat der Asmodier …
aus: C’t 22/09, S. 204
Mit leichter Verspätung gebe ich bekannt, daß das dritte Kapitel von Zornesbraut fertig und online ist. Es ist ein Alexander-Kapitel, in dem Halan keinen einzigen Auftritt hat, weswegen Alexander sehr viel Zeit damit verbringt, Monologe zu halten. Wer diese Mischung aus Lebensüberdruß und Weltschmerz mag, wird das Kapitel lieben - alle anderen werden es vermutlich zu lang finden. Da hilft dann auch nicht die dramatisch-blutrünstige Kampfszene, für die ich mit echten Messern hantiert habe, und ein oder zwei nette Dialoge - dieses Kapitel bietet die Quintessenz der Einsamkeit. Und wunderschöne Traumsequenzen. Ich bin doch einigermaßen stolz drauf.
Ich habe mich immer noch nicht wieder voll erholt, aber meine Statistiken trösten mich doch ein kleines bißchen: Immerhin bestätigen sie mir, daß ich trotz aller Durststrecke und Erschöpfung nicht nichts geschrieben habe. Statt dessen bin ich im zweiten Quartal dem Trend des ersten treugeblieben, habe mich sogar ein wenig gesteigert, und immer noch gute zehn Seiten pro Monat fabriziert - exakt 30 Seiten in drei Monaten, um genau zu sein. Das ist viel, viel weniger als geplant, aber wie gesagt: Immer noch besser als nichts. Wenn ich den Schnitt halte, wird 2009 produktiver als 2008, und das Jahrespensum von 2002 und 2005 habe ich sogar schon übertroffen (was den betroffenen Jahrgängen eher ein Armutszeugnis ausstellt, als mir für dieses Jahr Lob einzubringen).| Jahr | ES | SK | DV | FW | ZB | Gesamt | Monatsmittel |
| 2000 | 271 | 52 | 323 | 29,4 | |||
| 2001 | 177 | 61 | 238 | 19,8 | |||
| 2002 | 33 | 1 | 34 | 2,8 | |||
| 2003 | 65 | 4 | 69 | 5,8 | |||
| 2004 | 57 | 23 | 80 | 6,7 | |||
| 2005 | 51 | 51 | 4,3 | ||||
| 2006 | 64 | 31 | 95 | 7,9 | |||
| 2007 | 164 | 45 | 209 | 17,4 | |||
| 2008 | 61 | 35 | 9 | 105 | 8,75 | ||
| 2009 | 10 | 47 | 57 | 9,5 | |||
| 271 | 384 | 429 | 45 | 132 | 1.261 |
Die Abkürzungen stehen für die Titel der Bücher: ES = Engelsschatten, SK = Schwanenkind, DV = Dämmervogel, FW = Falkenwinter und ZB = Zornesbraut.
An diesem Wochenende hatte ich das Vergnügen, ein Tintenzirketreffen zu besuchen. Der Tintenzirkel ein Fantasyautorenkreis, und für seine Gründung werde ich eines Tages unvergessen sein - und die Momente, in denen ich am stolzesten auf mich und den Zirkel bin, sind die, in denen die Autoren außerhalb des Internets im wahren Leben aufeinander treffen und merken, daß sie längst eine richtige Freundschaft verbindet. So also auch am Samstag und Sonntag. Es wurde gegessen, geredet - dazu werde ich später mehr schreiben - und vorgelesen. Zirkeltreffen sind die einzigen Gelegenheiten, zu denen der Tintenzirkel Textarbeit betreibt, im Forum selbst sind keine Leseproben zugelassen, und ich kann das auch begründen.
Gestern habe ich anderthalb Seiten an Falkenwinter geschrieben, ein echter Triumph - das heißt, es geht wieder bergauf mit mir. Über einen Monat lang habe ich nämlich nichts zustande gebracht, nicht nur keine Zeile Geschriebenes, sondern auch sonst nichts, außer schlafen und arbeiten und zwischendurch etwas essen. Am Ende habe ich die Tage rückwärts gezählt, die ich noch Vollzeit arbeiten mußte: Es ging einfach nicht mehr. Ich war gesundheitlich am Tiefpunkt angekommen, körperlich und geistig erschöpft, aufgebraucht, alle. Meine Internetaktivitäten hatte ich eingestellt, die Foren mußten ohne mich auskommen, und trotzdem reichte die Energie nicht mehr für das Nötigste. Der Mai war eine Qual. Einziger Lichtblick war das Wissen, daß es im Juni ganz anders werden sollte, und viel besser. Der Juni hockte am Horizont und strahlte mich an, und auf dieses Strahlen stolperte ich zu, mit allerletzter Kraft…
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