

Heute gab es ein Stück Kuchen für mich, auch wenn das noch von einem gemütlichen Abend am Dienstag übrig geblieben ist, und die Gäste kommen auch erst am Samstag: Aber heute konnte ich den zehnten Geburtstag der Elomaran feiern. Wirklich. Es sind zehn Jahre. Und anders als sonst üblich fühle ich mich angesichts dieser Tatsache kein bißchen alt. Es waren zehn gute Jahre. Ich habe fünfmal eine neue Arbeitsstelle angetreten und die letzte davon sogar behalten, ich habe fünf Romane fertiggestellt, drei davon aus den Chroniken der Elomaran, ich habe einen höchst erfolgreichen Autorenkreis gegründet, eine CD aufgenommen, im Fernsehen mitgespielt und fürs Fernsehen geschrieben, das Stranden eines Hörspielprojekts miterlebt und einen tollen Agenten gefunden. Es waren zehn gute Jahre, und die nächsten zehn werden noch besser.
Ich dachte eigentlich, dieses Blog hätte einen brauchbaren Spamschutz, aber heute habe ich nicht weniger 584 Spam-Trackbacks löschen dürfen. Sie kamen alle von der gleichen IP. Ich habe die Kommentare gelöscht und die IP in einer Liste bekannter Spammer nachgeschlagen - sie war dort nicht gelistet. Fast hätte ich sie dort gemeldet, aber vorher wollte ich wissen, woher die Nummer kam - es war so viel verschiedener Spam, deutsch- und englischsprachig, daß es mich fast wunderte, daß alles aus einer Hand kommen sollte. RIPE löste die IP auf und teilte mir mit, daß der unbekannte Spammer über den lokalen Internetanbieter Netcologne online geht - seltsam, das ist mein Provider… Im Tintenzirkelforum gelang es mir dann, die IP zuzuordnen. Es war die, mit der ich gestern online war. Die unbekannten Spammer hatten ihre Trackbacks unter meiner IP gelistet. Oder ist das bei Trackbacks immer so?
Ich war schon mal in Frankfurt auf der Buchmesse, vor zehn Jahren, als ich als Buchhandelsauszubildende mit meiner Berufsschulklasse da war. Sie hat Eindruck auf mich gemacht, aber nicht den Besten - ich erinnere mich an wehe Füße, an tonnenweise Verlagsvorschauen, die ich ein Vierteljahr später ungelesen entsorgt habe, und an kein einziges Buch, das es geschafft hätte, mich aus der Masse heraus anzusprechen. Dementsprechend gering war eigentlich mein Interesse, da noch einmal hinzufahren. Zumindest, um mir Bücher anzusehen. Aber jetzt bin ich ja keine Buchhändlerin mehr, und als Bibliothekarin habe ich mit Dingen zu tun, die nichts mit der Buchmesse zu tun haben - aber ich bin eine Autorin, eine, die einen Agenten hat.
An diesem Wochenende hatte ich das Vergnügen, ein Tintenzirketreffen zu besuchen. Der Tintenzirkel ein Fantasyautorenkreis, und für seine Gründung werde ich eines Tages unvergessen sein - und die Momente, in denen ich am stolzesten auf mich und den Zirkel bin, sind die, in denen die Autoren außerhalb des Internets im wahren Leben aufeinander treffen und merken, daß sie längst eine richtige Freundschaft verbindet. So also auch am Samstag und Sonntag. Es wurde gegessen, geredet - dazu werde ich später mehr schreiben - und vorgelesen. Zirkeltreffen sind die einzigen Gelegenheiten, zu denen der Tintenzirkel Textarbeit betreibt, im Forum selbst sind keine Leseproben zugelassen, und ich kann das auch begründen.
Gestern habe ich anderthalb Seiten an Falkenwinter geschrieben, ein echter Triumph - das heißt, es geht wieder bergauf mit mir. Über einen Monat lang habe ich nämlich nichts zustande gebracht, nicht nur keine Zeile Geschriebenes, sondern auch sonst nichts, außer schlafen und arbeiten und zwischendurch etwas essen. Am Ende habe ich die Tage rückwärts gezählt, die ich noch Vollzeit arbeiten mußte: Es ging einfach nicht mehr. Ich war gesundheitlich am Tiefpunkt angekommen, körperlich und geistig erschöpft, aufgebraucht, alle. Meine Internetaktivitäten hatte ich eingestellt, die Foren mußten ohne mich auskommen, und trotzdem reichte die Energie nicht mehr für das Nötigste. Der Mai war eine Qual. Einziger Lichtblick war das Wissen, daß es im Juni ganz anders werden sollte, und viel besser. Der Juni hockte am Horizont und strahlte mich an, und auf dieses Strahlen stolperte ich zu, mit allerletzter Kraft…
Ich poste schon seit längerem im Tintenzirkel regelmäßig die besten Suchbegriffe, mit denen sich Menschen auf meine Webseite verirren, aber es brauchte einen Eintrag im Rabenfeder-Weblog von Veronika Bicker, daß ich auf die Idee kam, das auch mal in meinem Blog zu machen. Alle hier versammelten Suchbegriffe stammen aus den Logfiles der Chroniken der Elomaran, ermittelt mit Google Analytics und Piwik. Und, was das ganze wirklich oft aberwitzig macht: Danach haben nicht nur Leute gesucht - zu diesen Suchbegriffen haben sie ausgerechnet meine Seite aufgerufen. Obwohl in den meisten Fällen klar ist, daß ich da nicht groß weiterhelfen kann. Wie verzweifelt manchereiner doch sein muß…
Heute war ich zum ersten Mal seit langem wieder draußen unterwegs - zum Engel gucken. Das heißt, ich war auf dem Friedhof, um mir Inspiration zu holen und Fotos zu machen. Ich fotographiere unheimlich gerne auf Friedhöfen, zum einen, weil die Ziele da schön stillhalten und nicht wackeln, während man die Kamera optimal ausrichtet, und zum anderen, weil ich einfach Friedhöfe unheimlich gerne mag. Ich habe Friedhofsengel erst belacht, dann bewundert, lange bevor ich angefangen habe, an den Elomaran zu schreiben - anfangs war das so ein Triumph, am Leben zu sein, während dort all die steinreichen Leute zwar einen Engel mit vier Meter hoher Stele auf ihrem Grab stehen haben, aber dafür tot sind. Der Schönheit dieser ganz besonderen Kunstform, der kühlen Ästhetik konnte ich mich aber von Anfang an nicht entziehen. Mit vierzehn habe ich angefangen, Engel auf Friedhöfen zu fotographieren und damit das Fundament für die Chroniken der Elomaran zu legen.
Den Heyne-Wettbewerb habe ich wider Erwarten natürlich nicht gewonnen. Natürlich war ich geknickt, aber ich hatte damit gerechnet - hätte mich aber gerne positiv überraschen lassen, was das betrifft, und wenigstens unter den fünf Finalisten wäre ich gerne gelandet. Na ja, man kann nicht alles haben, und ich habe immerhin eine Agentur, das ist auch schon eine Menge wert. Zum einen sind die jetzt durchaus an der Spinnwebstadt interessiert - grundsätzlich, muß man sagen, denn sie haben noch keine Zeile davon zu lesen bekommen, denn als ich die Datei losschicken wollte, fiel mir noch ein übler logischer Bruch im fünften Kapitel ein, den ich unbedingt noch beheben muß. Für den Heyne-Wettbewerb war der ja egal, da habe ich nur die ersten hundert Seiten eingereicht, und der Fehler ist auf Seite 120 - aber für meine Agentur muß es dann schon etwas mehr sein, und etwas besser.
Endlich kann ich es wagen, aufzuatmen. Eine große Last ist von meinen Schultern genommen - ich habe es endlich geschafft, meinen Agenten die Inhaltsangabe der »Chroniken der Elomaran« zu schicken, damit sie daraus ein schönes Exposé basteln und mich auf der Buchmesse präsentieren können. Buchmesse in Leipzig, nicht Frankfurt, und das bedeutet: Es ist nicht mehr lange hin, Mitte März ist es soweit, und ich zittere jetzt schon, aus doppeltem Grund. Das eine ist die Frage, ob den Elomaran dort Erfolg vergönnt sein wird - das andere ist mein Magischer Bestseller.
Jetzt mache ich es offiziell: Ich habe einen Agenten. Ich bin mit den »Chroniken der Elomaran« unter Vertrag bei der Agentur erzähl:perspektive. Meine Agenten sind Herr und Frau Gröner. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich das freut. Da sind zwei Leute, die glauben an die Geschichte, glauben an mich, und glauben an sich, mit dem Ergebnis, daß sie hoffen, mein Epos einem Verlag verkaufen zu können.
Weblog powered by Serendipity 1.5.4
© 2000 - 2011 by Maja Ilisch. All Rights Reserved.