

Längere Zeit hat sich in diesem Blog nichts getan - der Grund ist, daß ich einiges, was sich hinter den Kulissen zugetragen hat, nicht in die Öffentlichkeit tragen wollte, denn ich erzählte nicht gern von den Mühen meiner Agenten, einen Verlag für die Elomaran zu finden: Nicht, weil ich nicht ganz und gar glücklich mit ihrer Arbeit wäre, im Gegenteil, aber weil es bei laufenden Bewerbungen nicht in die Öffentlichkeit gehört, welche Verlage sich nun interessiert haben und welche nicht. Ich möchte ja keinen Verlagslektor, der hier mitliest, irgendwie beeinflussen, daß er sagt »Hm, wenn ich der letzte Interessent im Rennen bin, dann kann ich ja mit dem Preis noch was runter gehen.« Aber jetzt lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, es hat Absagen gegeben, drei Stück und relativ kurz nacheinander, was mir für eine Weile doch etwas die Laune auf meine Engel verhagelt hat. Das ist nicht das Ende aller Tage, und es gibt mehr als drei Verlage in Deutschland, und tatsächlich sind wir, meine Agenten und ich, weiterhin allerbester Hoffnung. Doch manchmal muß man einen Schritt zurückgehen, um das ganze Bild mit etwas Distanz zu betrachten, vor allem, wenn sich eine Tendenz rauskristallisiert.
Ich war schon mal in Frankfurt auf der Buchmesse, vor zehn Jahren, als ich als Buchhandelsauszubildende mit meiner Berufsschulklasse da war. Sie hat Eindruck auf mich gemacht, aber nicht den Besten - ich erinnere mich an wehe Füße, an tonnenweise Verlagsvorschauen, die ich ein Vierteljahr später ungelesen entsorgt habe, und an kein einziges Buch, das es geschafft hätte, mich aus der Masse heraus anzusprechen. Dementsprechend gering war eigentlich mein Interesse, da noch einmal hinzufahren. Zumindest, um mir Bücher anzusehen. Aber jetzt bin ich ja keine Buchhändlerin mehr, und als Bibliothekarin habe ich mit Dingen zu tun, die nichts mit der Buchmesse zu tun haben - aber ich bin eine Autorin, eine, die einen Agenten hat.
Den Heyne-Wettbewerb habe ich wider Erwarten natürlich nicht gewonnen. Natürlich war ich geknickt, aber ich hatte damit gerechnet - hätte mich aber gerne positiv überraschen lassen, was das betrifft, und wenigstens unter den fünf Finalisten wäre ich gerne gelandet. Na ja, man kann nicht alles haben, und ich habe immerhin eine Agentur, das ist auch schon eine Menge wert. Zum einen sind die jetzt durchaus an der Spinnwebstadt interessiert - grundsätzlich, muß man sagen, denn sie haben noch keine Zeile davon zu lesen bekommen, denn als ich die Datei losschicken wollte, fiel mir noch ein übler logischer Bruch im fünften Kapitel ein, den ich unbedingt noch beheben muß. Für den Heyne-Wettbewerb war der ja egal, da habe ich nur die ersten hundert Seiten eingereicht, und der Fehler ist auf Seite 120 - aber für meine Agentur muß es dann schon etwas mehr sein, und etwas besser.
Endlich kann ich es wagen, aufzuatmen. Eine große Last ist von meinen Schultern genommen - ich habe es endlich geschafft, meinen Agenten die Inhaltsangabe der »Chroniken der Elomaran« zu schicken, damit sie daraus ein schönes Exposé basteln und mich auf der Buchmesse präsentieren können. Buchmesse in Leipzig, nicht Frankfurt, und das bedeutet: Es ist nicht mehr lange hin, Mitte März ist es soweit, und ich zittere jetzt schon, aus doppeltem Grund. Das eine ist die Frage, ob den Elomaran dort Erfolg vergönnt sein wird - das andere ist mein Magischer Bestseller.
Jetzt mache ich es offiziell: Ich habe einen Agenten. Ich bin mit den »Chroniken der Elomaran« unter Vertrag bei der Agentur erzähl:perspektive. Meine Agenten sind Herr und Frau Gröner. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich das freut. Da sind zwei Leute, die glauben an die Geschichte, glauben an mich, und glauben an sich, mit dem Ergebnis, daß sie hoffen, mein Epos einem Verlag verkaufen zu können.
Heute habe ich mit meinem Agenten telefoniert. Ist das nicht ein schöner Satz? Ich möchte ihn einrahmen und an die Wand hängen: Ich habe mit meinem Agenten telefoniert. Eigentlich muß es korrekt heißen mit meinen Agenten, denn es sind ihrer zwei, ein Ehepaar, das sich kürzlich mit einer Literaturagentur selbständig gemacht hat. Namen nenne ich erstmal keine, bevor der Vertrag unterschrieben ist und alles in trockenen Tüchern und nichts mehr schiefgehen kann; erstmal heißen die beiden für die Zwecke dieses Blogs Herr Agent und Frau Agentin.
Alle, die wir nach Ruhm streben, träumen doch insgeheim oder öffentlich davon, eines Tages entdeckt zu werden. Große dünne Mädchen scharwenzeln in Düsseldorf durch die Innenstadt und hoffen, daß ein Modelscout sie anspricht. Nachwuchsschauspieler spielen sich die Seele aus dem Leib, damit ein großer Regisseur sie von der Provinzbühne nach Hollywood holt. Und ambitionierte Onlineautorinnen warten nur auf den Tag, an dem sich ein Verlag oder Literaturagent auf die Seite verirrt, das Werk für gut und erfolgsversprechend befindet und es unter Vertrag nehmen will…
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