

Gestern habe ich eine Seite an Falkenwinter geschrieben. Eine Seite und drei Zeilen, um genau zu sein, und kein Wort mehr, dreiunddreißig Zeilen insgesamt. Es waren die ersten Zeilen überhaupt, die ich seit April geschrieben habe, zumindest an diesem Buch - mein Umzug, meine neue Arbeit haben mich komplett aus dem Rennen geworfen, und aus dem Plot. Letzteres war das eigentlich Schlimme.
Da muß ich mal ganz laut »Uff!« sagen. Um ein Haar hätte Varyn gerade meinen Plot geknackt. Es geht jetzt zwar bei »Dämmervogel« stramm auf das Ende zu, aber das ist kein Grund, alle Geheimnisse aufzuklären, die ich mir für später aufgespart habe. Aber kaum verzichtet der Junge mal für eine Woche oder so auf Schlaf, verstärkt sich seine Psychose bis hin zum ausgeprägten Verfolgungswahn, und dann fallen ihm auf einmal Sachen auf, die ihm eigentlich gar nicht auffallen dürften. Und dann greift er auf seine immer noch hohe Intelligenz zurück und zieht Schlüsse draus.
Gut drei Jahre ist es her, da ließ ich Alexander von Jurik aus dem Kerker schleifen, um mich danach Varyn zuzuwenden. Drei Jahre habe ich keine Szene mit meinem kleinen Engelchen geschrieben, und fast fürchte ich, daß es zu lange her ist, um nahtlos an alte Zeiten anknüpfen zu können. Dämmervogel ist immer noch nicht fertig, Falkenwinter immer noch nicht begonnen, aber es hilft nichts - wenn ich mich jetzt nicht schleunigst wieder um Halan und Anders kümmere, werden sich die beiden mir entfremden und mich nicht mehr kennen.
Und schon bin ich wieder bei Dannen angekommen, von dem ich mich doch erst im Januar verabschiedet hatte. Ja, so kann es kommen, wenn man zügig voranschreibt! Aber Dannen ist hier nur eine Nebenfigur - tatsächlich handelt das elfte Kapitel von Hauptmanm Mendrion: Ichg führe jetzt endlich die Fäden des dritten Buches zusammen, nachdem ich mehrere Jahre lang einen Zweifrontenkrieg mit Dannen auf der einen und Varyn auf der anderen Seite führen mußte. Wie lange habe ich doch auf diesen Moment gewartet!
Ach, das Leben ist hart. Eben habe ich ganze elf Seiten Text gelöscht. Versehentlich. Markiert und überschrieben, statt die Markierung wieder wegzumachen. Als ich es gemerkt habe, war es schon zu spät. Nicht mehr zu retten. Jetzt weiß ich, warum ich immer und alles erst per Hand schreibe und es dann abtippe - jetzt darf ich diese Arbeit zwar für die erste Hälfte des Zehnten Kapitels nochmal machen - aber zumindest ist der Text nicht verloren. Aber alles neu schreiben müssen ist schon hart…
Dannen ist noch ein recht junger Charakter, geplant und erstmalig aufgetreten vor knapp zwei Jahren, als ich merkte, daß Varyn ein Gegenspieler fehlte und mir eine Lieblingsfigur. Er sollte auf dunkle Weise gutaussehend werden, aber männlich, sympathisch, mit trockenem Witz und einer gewissen Tragik. Endlich mal jemand, den die Leser mögen sollten zwischen all den Borderlinern, Kotzbrocken und Schwesternschubsern. Niemals, niemals sollte ein Autor mit sovie Kalkül an eine Figur herangehen. Es belastet Charaktere, wenn die Autoren zuviel von ihnen erwarten. Und statt des gutaussehend-männlichen Sympathiträgers erschuf ich eine Pissnelke. Und wenn das nach seinem ersten Auftreten im vierten Kapitel noch nicht klar war, dann erledigt nun das achte Kapitel den Rest.
Ich wollte nie eine Mörderin sein, und nie eine Mutter, und doch war ich beides, noch ehe mein zwanzigstes Jahr vorüberging…
Als Maja zwölf Jahre alt war, beschloß sie, von zuhause auszureißen. Alles war schrecklich - die anderen Kinder tyrannisierten sie, und ihre Eltern hatten die jüngeren Geschwister viel lieber, und überhaupt - konnte sie überhaupt etwas anderes tun, als davonlaufen?
Gaven hat den Hühnerstall mitlerweile wieder verlassen dürfen. Ich bim ja nicht so - ich bin ja noch viel gemeiner. Gaven darf statt dessen seiner Mutter mit der Wäsche helfen. Und als ob das noch nicht Strafe genug ist, erzählt sie ihm außerdem Anekdoten aus ihrer Jugend - von ihr und ihrer Freundin Varna, einem rechten Wildfang. Varna, die mit elf Jahren das Schwert ihres Vaters an sich nahm, um in den Krieg zu ziehen und heimwehgeplagt zurückkehrte. Varna, die nicht heiraten wollte, weil sie jeden einzelnen heiratswilligen Mann im Tal schon als Kind verprügelt hatte. Varna, die sich in einen jungen Wanderarbeiter verliebte, von ihm sitzengelassen wurde, schwanger wurde, und dann im Kindbett plötzlich und unerwartet starb…
Nur als kleine Zwischenbemerkung: Die Arbeit am siebten Kapitel hat bereits begonnen, und ich komme eigentlich auch ganz gut voran. Es macht Spaß, wieder mit Gaven zu arbeiten, der erfrischend optmistisch ans Leben geht und somit nicht nur seinem Ziehbruder, sondern eigentlich auch allen anderen Figuren aus Dämmervogel einiges voraus hat. Vielleicht liegt es an seiner Jugend?
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