

Meine Agentur hat seit ein paar Tagen ihr neues Editorial online und mich damit komplett begeistert. Diese Mischung aus feinem Humor, Ironie und Literaturkenntnis ergibt genau die Agentur, von der ich immer vertreten werden wollte - schließlich stelle auch ich mich in meiner Selbstdarstellung mit feindosierter Ironie dar… Und dann schwante mir Übles. Und ich rief meine Selbstdarstellung auf. Ich irrte mich nicht. Die Seite war seit Jahren unverändert. Laut diesem Text lebe ich im Münsterland - ich bin vor fast zwei Jahren von dort weggezogen - und arbeitslos - mein Vertrag in der Bibliothek wird jetzt schon zum zweiten Mal verlängert. Die Fotogalerie, die alle drei Jahre erweitert und um einem aktuellen Text aus dem jeweiligen Jahr ergänzt wird, war ebenfalls im Jahr 2005 stehengeblieben. Und dann fiel mir auch der Grund dafür ein. Ich hatte mich nämlich mit meinem eigenen Genie ausgetrickst.
Ich habe wieder ein bißchen am Blog geschraubt. Nicht, daß es auf den ersten Blick groß anders aussähe, aber die Navigation ist komplett neu gestaltet. Früher hatte ich auf der linken Seite, dort, wo sonst die Bücher und ihre Kapitel aufgeführt sind, die Blognavigation, und auf der rechten Seite die Webseitennavigation, bei der ich unten die Romane angehängt hatte. Das Ergebnis war letztlich ein großes Chaos. Man konnte scrollen und scrollen und die Navigationen nahmen kein Ende…
Ich dachte eigentlich, dieses Blog hätte einen brauchbaren Spamschutz, aber heute habe ich nicht weniger 584 Spam-Trackbacks löschen dürfen. Sie kamen alle von der gleichen IP. Ich habe die Kommentare gelöscht und die IP in einer Liste bekannter Spammer nachgeschlagen - sie war dort nicht gelistet. Fast hätte ich sie dort gemeldet, aber vorher wollte ich wissen, woher die Nummer kam - es war so viel verschiedener Spam, deutsch- und englischsprachig, daß es mich fast wunderte, daß alles aus einer Hand kommen sollte. RIPE löste die IP auf und teilte mir mit, daß der unbekannte Spammer über den lokalen Internetanbieter Netcologne online geht - seltsam, das ist mein Provider… Im Tintenzirkelforum gelang es mir dann, die IP zuzuordnen. Es war die, mit der ich gestern online war. Die unbekannten Spammer hatten ihre Trackbacks unter meiner IP gelistet. Oder ist das bei Trackbacks immer so?
Wußtet ihr schon, daß man in diesem Blog jetzt auch wieder kommentieren kann?, schrieb ich noch vor einer Woche großspurig in diesem Blog - nichtsahnend, daß das der Anfang vom Ende war. Was ist geschehen? Ich hatte vor über zwei Jahren die Kommentarfunktion im Blog deaktiviert, weil der Spam überhand nahm und ich es leid war, alles per Hand freischalten oder löschen zu müssen. Mittlerweile tat es mir sehr leid um diese Entscheidung, denn eigentlich finde ich, wer sich über Kommentare freuen möchte, soll auch bereit sein, etwas dafür zu tun - also schaltete ich die Kommentare wieder frei und kombinierte das mit einem Recaptcha-Plugin: Dabei wird nicht nur ein Bildchen eingeblendet, dessen Inschrift der Benutzer entziffern muß, sondern das Ganze auch noch benutzt, alte Bücher zu digitalisieren - eine sehr bibliothekarfreundliche Sache, die ich immer schon mal selbst versuchen wollte. Das brachte nur ein Problem mit sich: Es funktionierte nicht. Ich nahm das Plugin also wieder raus und fand mich damit ab, eben wieder dutzendweise Spam aus den Kommentaren zu löschen.
Ein gutes Jahr, nachdem ich die Webseite komplett überholt und neugestaltet habe, war nun Zeit für die ersten größeren Nachbesserungsarbeiten. Dabei haben sich, wie bei mir üblich, wieder die allermeisten Änderungen im Quellcodebereich und von außen unsichtbar abgespielt - ich bin mit dem Design so glücklich, daß ich die Seite genau so aussehen haben will, aber wenn der Code noch schöner sein könnte, soll er das auch werden dürfen.
Ich habe schon im letzten Jahr mehrmals verkündet, größere Änderungen an der Webseite vorgenommen zu haben, und letztlich war dann doch nicht soviel davon zu sehen, und die eigentliche Arbeit lag unsichtbar unter der Quellcode-Oberfläche. Im letzten Mai war ich mit dem neuen Design der Übersichtsseite wirklich noch wunschlos glücklich. Aber in Wirklichkeit war die Seite für alle Besucher ein Verwirrspiel. Erst die Auswahlfrage auf der Startseite - der nichtsahnende Gast muß auf einen Flügel klicken, und ob er links oder rechts wählt, entscheidet über sein weiteres Schicksal… Dann die sogenannten Übersichtsseiten, bei denen relevante Links hinter verwirrenden anderen Links versteckt waren - niemand hat sich da jemals wirklich zurechtgefunden.
Ich weiß, diese Schlagzeile ist ein bißchen reißerisch geraten, und Jurik hat sich auch schon drüber beschwert... Aber tatsächlich habe ich nur mal wieder an der Webseite geschraubt. Es geht ja eigentlich nicht, daß ich ihr Anfang des Jahres ein neues sauberes Outfit verpaßt habe, mit schönem CSS und ohne böses Tabellendesign - und überhaupt nicht auf die Idee gekommen bin, mich zu fragen, ob mein HTML überhaupt valide ist. Nun habe ich aber die Webseite des Tintenzirkels komplett neu geschrieben, per Hand, mit dem saubersten Code, den man sich denken kann - und mußte in dem Zusammenhang zugeben: Trotz sauberstem CSS war die gesamte Elomaranseite völlig invalide.
Auf zeldman.com, der Seite meines langjährigen Internetgurus Jeffrey Zeldman, las ich einen grandiosen Artikel: Style vs. Design. Er öffnete mir die Augen. Hatte ich bis dahin mit wilden Hintergrundbildern und verschachtelten Frames gearbeitet, versuchte ich mich nun an etwas neuem, etwas bahnbrechend schlichtem, bei dem nur der Inhalt im Mittelpunkt stehen sollte, der Inhalt, und nichts als der Inhalt. Es wurde ein dreispaltiges Design: Links die Navigation, in der Mitte in Bild, und rechts der Titel und mein Name. Mehr nicht. Das war im Sommer 2000, und es war der Beginn der Elomaran-Webseite. Mti den Jahren kam einiges dazu: Die Kapitel auf der linken Seite wurden mehr und mehr, zum Bild gesellt sich ein Gedicht, die rechte Spalte wurde um eigene Links erweitert. CSS kam, neckische Tooltips kamen, doch am funktionellen, übersichtlichen Design der Seite änderte sich nichts, warum auch - war es nicht vollkommen?
Alexander hat ganz viele, selbst Varyn hat eins, nur der blöde Gaven ist ohne unterwegs: Ein Hemd zum Wechseln, Grundausrüstung eines jeden reisenden Helden. Und auch die Elomaran-Webseite soll endlich eines bekommen. Natürlich virtuell: In Form eines zweiten Stylesheets. Schon im vergangenen Jahr hatte ich die Rubrik »Augenfreundlich« eingefügt, wo ich alle Kapitel in alternativem Design mit großer schwarzer Schrift auf weißem Grund, aber das hatte seine Tücken: Ich mußte jedes Kapitel per Hand in der augenfreundlichen Version in einem eigenen Verzeichnis abspeichern, und für die Hintergrundinformationen war auch weiterhin nur das klassische schwarze Design verfügbar.
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